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Heilerziehungspfleger/in |

Jeder Tag läuft anders

Antje ist Heilerziehungspflegerin und fing direkt nach ihrer Ausbildung bei der Sozialstiftung Köpenick an. Im Gespräch erzählt sie, was sie an dem Beruf cool findet und warum der Job erst in der Praxis wirklich zu erlernen ist.

Name: Antje Zabel
Alter: 23
Beruf: Heilerziehungspflegerin
Berufsfachschule: Elisabeth-Schulen, Fachschule für Heilerziehungspflege Berlin
Ausbildungsabschluss: 2017
Arbeitgeber: Sozialstiftung Köpenick, Berlin

 

Was war deine Motivation, Heilerziehungspflegerin zu werden?

Ich habe ein FSJ in einer Behindertenwerkstatt gemacht. Damals wollte ich eigentlich noch studieren, habe dann aber während des Freiwilligendienstes schnell gemerkt, dass ich gerne mit Menschen mit Behinderung arbeite. Außerdem finde ich an dem Beruf schön, dass man ständig von einem Team umgeben ist. Wenn man Fragen hat oder Hilfe braucht, steht jemand mit Rat und Tat zur Seite. Auch die Vielfältigkeit des Berufs und das breite Spektrum an Einsatzmöglichkeiten haben mit überzeugt. Als Heilerziehungspflegerin hat man große Chancen, auch in anderen Bereichen zu arbeiten. Das hat den Ausschlag gegeben, mich für den Beruf zu entscheiden. 

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Ich unterstütze die Bewohner individuell, wenn sie Hilfe brauchen. Das heißt ich unterstütze unter anderem Bewohner bei der Körperhygiene, begleite sie bei den Mahlzeiten, bei Arztterminen und Einkäufen oder gebe ihnen Hilfe beim Lösen von Konfliktsituationen. Des Weiteren gehören die Medikamentenvergabe und Schreibarbeiten zum Alltag. Bei Schichtübergabe ist die Dokumentation wichtig, wenn es um gesundheitliche Einschränkungen oder Auffälligkeiten der Bewohner geht. Auch die Kontaktaufnahme mit Angehörigen oder mit den gesetzlichen Betreuern gehört zum Job.  Man kann nicht genau sagen, wie der Tag ablaufen wird. Früher habe ich versucht, einen Tagesplan zu machen, habe dann aber gemerkt, dass er wenig nützt, da sich doch oft etwas ändert. Was an sich cool ist, weil jeder Tag somit individuell ist. Zu meinen Aufgaben gehört auch, die Menschen mit Beeinträchtigung in die Gesellschaft zu integrieren und das Bewusstsein dafür zu schaffen.

Warum sollen Schulabgänger/innen sich für den Beruf des/der Heilerziehungspflegers/in entscheiden?

Das Wort Vielfältigkeit beschreibt alles, worum es in dem Beruf geht. Es besteht eben die Möglichkeit mit Kindern als auch mit Erwachsenen zu arbeiten. Heilerziehungspfleger begleiten das ganze Leben von Menschen mit Behinderung. In der Ausbildung ist es von Vorteil, dass man in vielen Praktika die Möglichkeit hat, alle Bereiche durchzulaufen. So merkt man sehr schnell, mit welcher Klientel man am besten klar kommt. 

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Ich finde, das kann ich weder beeinflussen noch möchte ich es tun. Ich lasse gerne alles auf mich zukommen. Und wenn ich in zehn Jahren noch in dem Beruf bin, dann ist das sicherlich ein Zeichen dafür, dass mir das immer noch Spaß macht. Ich werde es einfach sehen. 

Was ist dir anfangs schwergefallen? Was ist bei deinem Beruf anstrengend?

Ich stand am Anfang vor einem riesigen Medikamentenschrank und war erstmal völlig überfordert. Weil wir das in der Ausbildung oder während der Praktika nicht wirklich gezeigt bekommen haben oder nicht machen durften. Das war wirklich am Anfang ein Schockmoment für mich. Aber das lernt man alles mit der Zeit. Die Kollegen haben mir alles Stück für Stück gezeigt und erklärt, mittlerweile gehört die Medikamentenvergabe zur Routine. Generell lernen Heilerziehungspfleger den Beruf erst im Berufsalltag kennen. Denn die Ausbildung ist reine Theorie und sagt nichts darüber aus, wie die Arbeit abläuft. Es ist auch manchmal schwierig, den Wünschen und Bedürfnissen der Bewohner gerecht zu werden, weil man es zeitlich nicht hinkriegen kann. Auch das Thema Trauer ist etwas, womit ich schon konfrontiert wurde. Für mich war es vollkommen neu und überfordernd. Aber ich habe ein Team um mich herum, das mich immer unterstützt hat und das ist bei der Arbeit extrem wichtig.  

Was ist dir anfangs leichtgefallen? Was macht dir bei deinem Beruf am meisten Spaß?

Ich bin relativ schnell in das Team reingekommen, da sich das Team noch im Aufbauprozess befand. Auch mit den Bewohnern bin ich zügig in Kontakt gekommen und hatte auch das Gefühl, dass sie mich Stück für Stück angenommen haben. Das macht die Arbeit viel leichter und schöner. Ich kann mich noch daran erinnern, als wir eine Geburtstagsfeier von einem Bewohner zusammen gefeiert haben. Dort habe ich gemerkt, im Team angekommen zu sein. Auch die Angehörigen hatten den Kontakt mit mir aufgesucht. Und das war ein schönes Gefühl, zu merken als Betreuer und Kollege akzeptiert zu sein. 

Ist dein Beruf so, wie du ihn dir vorgestellt hast?

Ja und nein. In der Schule haben wir viele wichtige Dinge gelernt, die relevant sind, um die Arbeit in der Heilerziehungspflege zu verbessern. Meine Ausbildung war zwar praxisorientiert, jedoch sieht man als Praktikant nicht alle Facetten des Berufes, da man im geschützten Rahmen ist. Und man merkt in der Realität, dass manche Sachen nicht so umsetzbar sind, wie man sie gelernt hat. Im Alltag übernimmt ein Heilerziehungspfleger große Verantwortung und erst wenn man im Beruf angekommen ist, wird das einem auch bewusst.    

Wie findest du die Balance zwischen Beruf und Freizeit?

Ich nehme mir die Zeit, die freien Tage auszunutzen, um Abstand von der Arbeit zu nehmen. Abzuschalten fällt mir meistens nicht schwer. Es kommt allerdings auf die Themen an, inwieweit sie gerade für mich neu sind oder mich persönlich mitnehmen. Aber ich denke, das ist ein Lernprozess. Ich bin erst seit eineinhalb Jahren bei der Sozialstiftung Köpenick. 

Interview: Radosveta Strumenlieva

Mehr Infos über Antjes Arbeitgeber findest du hier.

Willst du auch dort arbeiten? Hier gehts zum Stellenangebot.

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