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Erzieher/in |

"Ich hatte total viele Aha-Momente"

Paul steht kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung zum Erzieher. Der 29-jährige Musiker hat sich in den vergangenen drei Jahren nicht nur Kompetenzen im Umgang mit Kindern angeeignet, sondern auch viel über sich selbst gelernt.

Name: Paul Schröder
Alter: 29
Ausbildung: Erzieher, 3. Ausbildungsjahr
Ausbildungsstätte: Hort der Grundschule Am Weinmeisterhorn, Berlin
Berufsfachschule: Pro Inklusio, Fachschule für Sozialpädagogik, Berlin



Was ist deine Motivation, Erzieher zu werden?

Ich bin eigentlich gelernter Einzelhandelskaufmann, aber in diesem Beruf war ich sehr unglücklich. Ich bin kreativ und kann gut mit Menschen und mit Kindern umgehen. Ich denke außerdem, dass wir mit der Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, die Welt ein bisschen besser machen können. Es macht Sinn, bei den Kleinen anzufangen. Als Erzieher kann ich Kindern auf kreative Art wichtige Werte vermitteln und zu einer besseren Gesellschaft beitragen.

Wie sieht dein Ausbildungsalltag aus?

Gegen 12 Uhr, wenn die Schule vorbei ist, kommen die Kinder aus der ersten und zweiten Klasse in unseren Hort. Die Zeit davor nutze ich zur Vorbereitung, ich kümmere mich um Angebote, bereite Elterngespräche vor und dokumentiere Beobachtungen. Wenn die Kinder eintreffen, tragen sie sich in Anwesenheitslisten ein und essen zu Mittag. Danach können sie frei entscheiden, was sie machen wollen. Zwischen 13 und 15 Uhr erinnern wir die Kinder daran, ihre Hausaufgaben zu machen, wenn das mit den Eltern so verabredet ist. Ab 15 Uhr gestalten wir eigene Angebote. Wir basteln mit den Kindern, spielen Theater oder pflegen den Teich im Schulhof. Ich selbst habe einen musikalischen Hintergrund, ich bin Gitarrist und Liedermacher.  Deshalb biete ich musikalische Aktivitäten an. Wir lernen zum Beispiel, wie man sich selbst Lieder ausdenkt, die sich auch noch reimen, und wie man mit Alltagsgegenständen ganz wunderbare Klänge erzeugt.

Warum sollen Schulabgänger/innen sich für den Beruf der/des Erziehers/in entscheiden?

Es ist ganz wichtig, dass Schulabgänger für sich herausfinden, was sie wirklich machen wollen. Denn als Erzieher spielt man nicht einfach nur mit den Kindern, es geht um viel mehr. Für diejenigen, die diese Entscheidung für sich getroffen haben, ist die Ausbildung ein Gewinn. Viele Ausbildungsinhalte beziehen sich auf die Psychologie. Azubis lernen nicht nur, wie man mit Kindern umgeht, sondern auch, wie das Wesen Mensch an sich funktioniert und welche Rolle der gesellschaftliche Kontext für die Entwicklung spielt. Wichtig waren für mich auch die Unterrichtseinheiten zu gewaltfreier Kommunikation. Dabei lernt man, die eigenen Bedürfnisse zu äußern und die Bedürfnisse hinter den Äußerungen anderer zu sehen. Ich hatte total viele Aha-Momente während der Ausbildung. Ich habe angefangen, meine eigene Kindheit zu reflektieren und dabei viel über mich selbst gelernt. 

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Das ist schwer zu sagen. Es gibt verschiedene Szenarien. Einerseits sehe ich mich als Künstler mit eigenen Projekten. Andererseits kann ich mir vorstellen, eine beratende Rolle zu übernehmen, zum Beispiel im Bereich Mitarbeitermotivation. Das sollte mit dem Erzieherbereich zu tun haben, aber vielleicht arbeite ich dann nicht mehr nur mit Kindern. 

Was ist dir anfangs schwergefallen? 

Das ist zwar banal, aber es fiel mir schwer, mir die Namen der Kinder zu merken. Eine echte Herausforderung waren für mich verhaltensauffällige Kinder, die Grenzen austesten wollen, sich Absprachen widersetzen oder einen nicht ernst nehmen. Inzwischen weiß ich, dass die wichtigste Strategie in diesem Fall ist, nicht emotional zu reagieren.

Was ist dir anfangs leichtgefallen?

Ich kann gut mit Menschen kommunizieren und finde meistens einen kreativen Umgang mit allen.

Wie ist es als Mann in einem typischen Frauenberuf?

Das ist einfach, weil in meiner Einrichtung 50 Prozent Männer arbeiten. Es fühlt sich also nicht wie ein typischer Frauenberuf an. Würden im Hort außer mir nur Frauen arbeiten, fände ich es einerseits nicht so gut, der einzige Mann zu sein. Andererseits wäre es total cool, zu zeigen, dass es geht und als Gegenpol die andere Seite zu beleuchten. 

Wie war es für dich, als Quereinsteiger einen völlig neuen Beruf zu erlernen?

Überhaupt nicht schwer. Für mich ist die Ausbildung ein großes Glück. Ich musste auch kaum Bewerbungen schreiben und es ging alles sehr schnell. Die Arbeit als Erzieher ist völlig anders als meine Tätigkeit im Einzelhandel. Die Arbeitszeiten sind anders, es gibt weniger Hierarchien und weniger Druck, bestimmte Ziele zu erreichen. Ganz generell finde ich mein jetziges Berufsumfeld viel entspannter und humaner. Für mich ist das perfekt, das passt wie die Faust aufs Auge.

Interview: Birke Carolin Resch

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