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Erzieher/in |

"Erzieher ist ein sehr kreativer Beruf"

Diana hat früher als Modedesignerin gearbeitet. An der Ausbildung zur Erzieherin schätzt die 47-Jährige besonders die vielen Möglichkeiten, kreativ mit den Kindern zu arbeiten.

Name: Diana Kemnitz
Alter: 47
Ausbildung: Erzieherin, 2. Ausbildungsjahr 
Ausbildungsstätte: Kita Schneckenhausen/Spik
Berufsfachschule: Fachschule für Sozialpädagogik/Pestalozzi Fröbel Haus


Was ist deine Motivation, Erzieherin zu werden?

Ich bin Modedesignerin und habe fünf Jahre als Selbstständige in diesem Bereich gearbeitet. Auf Dauer war es aber schwierig, damit finanziell über die Runden zu kommen. Ich habe mich außerdem wie in einem Elfenbeinturm gefühlt, isoliert von der Welt. Danach habe ich eine Zeit lang im Verkauf und im Merchandising gearbeitet, fand den Job aber langweilig. Ich bin dann in den Lernladen in Berlin-Friedrichshain gegangen, um mich über andere Berufsmöglichkeiten zu informieren. Dort wurde mir die Seite erzieher-werden-in-berlin.de empfohlen, die ich sehr nützlich fand. Die Seite listet zum Beispiel Ausbildungsstätten auf. In Gesprächen mit meiner Familie und mit Freunden habe ich schließlich die Entscheidung getroffen, eine Ausbildung zur Erzieherin zu machen und bin immer noch glücklich damit.

Für mich ist das ein sehr kreativer Beruf, der viele Themen und Bereiche zusammenführt. Als Erzieherin kommt man zum Beispiel mit Naturwissenschaften, Mathematik, Psychologie, Pädagogik, Kommunikation, Spiel und Theater in Berührung. Dazu kommt, dass ich immer schon einen guten Draht zu Kindern hatte. Ich finde es faszinierend, wie Kinder voller Neugier die Welt entdecken und kann mich damit identifizieren. Auch als Erwachsener lernt man ja nie aus. Kinder, zumindest die, denen nichts Schlimmes zugestoßen ist, haben eine unglaublich positive Einstellung dem Leben gegenüber. Das sind wichtige und tolle Eigenschaften. Die Kita ist deshalb auch ein Ort für mich, an dem ich gemeinsam mit den Kindern eine bessere Welt kreieren kann.

Wie sieht dein Ausbildungsalltag aus?

In Kitas gibt es unterschiedliche Konzepte. Manche Einrichtungen arbeiten oft frei, andere haben ein festes Programm. Dort ist dann montags Musiktag, dienstags Basteltag und mittwochs werden Ausflüge gemacht. In unserer Kita haben wir auch Angebote, wir versuchen aber, diese situativ anzupassen und auf die Themen der Kinder zu reagieren. Wenn die Kinder zum Beispiel gerade ins Spiel mit Handpuppen vertieft sind und eigentlich ein Musikangebot geplant war, verbinden wir die Musik mit dem Handpuppenspiel. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, die Kinder einfach spielen zu lassen, denn Kinder lernen intensiver, wenn ein Bedürfnis vorhanden ist. Spontan reagieren müssen wir auch, wenn zum Beispiel eine Kollegin oder ein Kollege erkrankt ist.

Donnerstags und freitags habe ich Unterricht in der Berufsschule. Die Lerninhalte sind vielfältig, wir haben zum Beispiel Unterrichtseinheiten zu Soziologie, Entwicklungspsychologie und Musik. Die Fachschule für Sozialpädagogik des Pestalozzi Fröbel Hauses ist die älteste Ausbildungsstätte für Erzieherinnen und Erzieher in Berlin und bietet eine qualitativ hochwertige Lehre.

Warum sollen Schulabgänger/innen sich für den Beruf der/des Erziehers/in entscheiden?

Wer gerne mit Kindern und im Team arbeitet, ist in dem Job gut aufgehoben. Das Schöne an dem Beruf ist, dass er so vielseitig ist und man ständig dazu lernt. Wichtige Eigenschaften, die Azubis mitbringen sollten, sind Lernbereitschaft, Teamfähigkeit und Empathie. Die Arbeit in einer Kita ist allerdings zeitaufwendig. Ich habe Kollegen, die am Wochenende Aktivitäten vorbereiten oder an der Dokumentation sitzen, weil sie unter der Woche keine Zeit dazu hatten. Anstrengend kann es auch werden, wenn man sich um viele Kinder gleichzeitig kümmern muss. Aber es macht sehr viel Spaß. Wenn man mit Kindern Zeit verbringt, vergeht die Zeit wie im Flug. Man lacht viel und lernt, im Hier und Jetzt zu sein. Erwachsene vergessen häufig, wie das geht.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Ich wünsche mir, dass ich auch in zehn Jahren noch in dieser Kita arbeite. Ich bin sehr zufrieden hier, wir haben ein tolles Team und einen riesengroßen Garten. Ich würde gerne in Zukunft kreative Angebote zu den Themenfeldern Theater und Mode in den Kitaalltag einbringen. Ich werde außerdem nach meiner Ausbildung die einjährige Weiterbildung zur Integrationserzieherin machen. 

Was ist dir anfangs schwergefallen? 

Ich fand es schwierig, mich in bestimmten Situationen durchzusetzen, zum Beispiel wenn Kinder durcheinander reden und sich nicht gegenseitig zuhören. Mittlerweile klappt es aber ganz gut. Mir fiel es auch schwer, angemessene Konsequenzen zu finden, wenn ein Kind Grenzen austestet. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Kind nicht aufräumen möchte. Inzwischen habe ich gelernt, dass man Zeitlimits setzen kann. Jetzt sage ich dem Kind, es soll nochmal ein paar Minuten darüber nachdenken. Wenn es trotzdem nicht aufräumen mag, kann es am nächsten Tag leider nicht in diesem Bereich spielen. 

Was ist dir anfangs leichtgefallen?

Besonders leicht fiel es mir, einen Zugang zu den Kindern zu finden. Ich glaube das liegt daran, dass ich ihnen auf Augenhöhe begegne und ihre Sehnsüchte und Wünsche ernst nehme. Das merken Kinder sofort. Ich finde auch schnell ins Spiel mit den Kindern. Ich setze mich einfach daneben und dann entwickelt sich das Spiel automatisch. Ich glaube, wenn man sich sein inneres Kind bewahrt, passiert das wie von selbst.

Wo liegen deine Stärken? Welche Qualifikationen bringst du mit?

Ich habe ein Organisationstalent und behalte leicht den Überblick. Das ist eine Fähigkeit, die ich auch als selbstständige Modedesignerin brauchte. Ich habe zudem viel Erfahrung mit kreativen Prozessen, Kreativität liegt mir in den Genen. Ich musste allerdings auch lernen, meinen Anspruch etwas runterzuschrauben. In der kreativen Arbeit mit Kindern darf man nicht werten. Schon der Satz „Das hatte ich mir anders vorgestellt“ wertet die Werke der Kinder ab. Besser ist es, den Kindern Fragen zu ihrem Kunstwerk zu stellen und sie zu bestärken.

Wie war es für dich, als Quereinsteigerin in den sozialen Bereich zu wechseln?

Vor der Ausbildung hatte ich schon Erfahrung in einem Praktikum gesammelt, das hat sehr geholfen. Ich musste zudem sechs Monate auf meinen Platz in der Berufsschule warten, hatte aber schon meine Stelle in der Kita. Das war ein Glücksfall, denn ich musste nur drei Tage die Woche arbeiten und konnte mich langsam an den Kitaalltag gewöhnen. Außerdem habe ich tolle Kollegen, die mir jede Frage beantworten.

Interview: Birke Carolin Resch

Mehr Infos über Dianas Arbeitgeber findest du hier.

Willst du auch dort arbeiten? Hier gehts zum Stellenangebot.

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