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Einen kühlen Kopf bewahren

Der Bildungskoordinatorin Julia Behrend kommt es bei Bewerbern auf Ehrlichkeit und Authentizität an. Sie rät Interessenten an einer Ausbildung in der Altenpflege, zuerst praktische Erfahrungen zu sammeln.

Name: Julia Behrend
Alter: 34
Beruf: Gesundheits- und Pflegemanagerin
Arbeitgeber: Sozialstiftung Köpenick, Berlin
Position: Bildungskoordinatorin

 

 

Was raten Sie jungen Menschen, die sich für die Altenpflege interessieren?

Jungen Menschen rate ich, vorher ein Praktikum im sozialen Bereich, zum Beispiel als Schülerpraktikum oder als Schnupperwoche, zu absolvieren. So können sie einfach schauen, ob ihnen die Arbeit am Menschen auch wirklich liegt. Denn die Altenpflege ist ein anspruchsvoller Beruf - für Körper, Geist und Seele - und das ist nicht jedermanns Sache. Praktische Erfahrungen sind für Bewerber aus meiner Sicht ein Muss. Deswegen machen viele bei uns zum Beispiel ein FSJ, um für sich herauszufinden, ob es ihr Job ist. 

Welche Eigenschaften müssen Bewerber/innen mitbringen?

Sie sollten keine Berührungsängste haben und in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren können. Aufrichtiges Interesse an dem Wohl der Bewohner und Empathie sind sehr wichtig. Darüber hinaus sollten sie wissbegierig sein und mit Computern umgehen können, weil der Beruf im ständigen Wandel ist. Sie sollten auf jeden Fall sehr zuverlässig sein, für die Kollegen und Bewohner. Verschlafen ist schlecht, denn es gibt in dem Moment keinen Ersatz für die Person. Azubis oder Freiwillige sollten gern im Team arbeiten und flexibel sein, was die Arbeitszeiten betrifft. Nicht zuletzt sollten sie sich auch der Verantwortung bewusst sein und Selbstbewusstsein mitbringen. Denn in dem Job sind auch wichtige Entscheidungen zu treffen. 

Was können Azubis bei Ihnen lernen? 

Sehr viel! In erster Linie erlernen sie die Grundbedürfnisse und die Versorgung eines jeden Menschen kennen, wie zum Beispiel Grund- und Behandlungspflege, Medikamentenvergabe oder Dokumentation. Das theoretische Wissen können sie dann in der Praxis gut anwenden. Azubis kommen mit Praxisaufträgen zu uns in die Einrichtung. Was in der Berufsschule theoretisch beigebracht wird, wird im Nachgang im praktischen Einsatz angewendet. Dabei steht den Azubis bei uns ein ausgebildeter Praxisanleiter zur Seite, mit dem sie gemeinsame Dienste haben und sich den Aufgaben widmen. Die Praxisanleiter begleiten die Azubis während der gesamten Ausbildung. Auch über Krankheiten oder im Bereich Ernährung lernt man sehr viel. Die Azubis begleiten auch Arztvisiten. Angehörigenarbeit und Beratung gehören ebenfalls dazu. Gerade wenn ein Bewohner oder eine Bewohnerin an Demenz erkrankt ist, fällt es vielen Angehörigen schwer, ihre Eltern verhaltensverändert zu erleben. Auch Praktika im Krankenhaus oder in der ambulanten Pflege sind ein Teil der Ausbildung, um verschiedene Arbeitsabläufe kennen zu lernen. 

Worauf legen Sie bei Bewerbungen wert? Was sind für Sie die Ausschlusskriterien?

Die Bewerber können mit sympathischem Auftreten und Aufgeschlossenheit punkten. Im Bewerbungsgespräch finde ich es schön, wenn man Blickkontakt hält. Viele schauen aus Unsicherheit oder Schüchternheit weg. Ehrlichkeit und Authentizität sind wichtig – bitte nicht verstellen! Es ist auch wichtig, zuzuhören und Fragen zu stellen. Daher ist es sinnvoll, sich im Internet mit der Einrichtung vertraut zu machen. Ich muss im Gespräch erkennen, dass echtes Interesse am Beruf besteht. Bewerber sollten nicht nach dem Motto „Ich habe nichts anderes gefunden, deswegen gehe ich in die Altenpflege“ erscheinen. Die Bewerbung muss aus eigener Überzeugung kommen. Und das kann man wiederum nur wissen, wenn man vorher ein Praktikum gemacht hat. Die Dauer des Praktikums ist erstmal nebensächlich. Wenn man nach dem Schulabschluss noch keine Praxiserfahrung hat, dann würde ich im Bewerbungsgespräch vorschlagen, dass der- oder diejenige für mindestens fünf Tage mitläuft. Danach gibt es ein Auswertungsgespräch, in dem man die Erfahrungen reflektiert. Die Erfahrungen variieren sehr stark; manche brauchen nur drei Tage und wissen: „Das ist mein Job!“. Andere wollen ein paar Tage dranhängen, bevor sie eine Entscheidung treffen. Wie eingangs erwähnt, ist Pünktlichkeit sehr wichtig – auch beim Vorstellungsgespräch.  

Warum sollen sich Interessenten/Schulabgänger für eine Ausbildung bei Ihnen entscheiden?

Bei uns lernt und arbeitet man unter modernen Bedingungen. So erfolgt die Dokumentation mit dem neuen Strukturmodell der entbürokratisierten Pflegedokumentation über eine Software. Dies spart viel Zeit. Wie bereits gesagt, werden die Auszubildenden in ihrer gesamten Zeit bei uns von Praxisanleitern begleitet und unterstützt. Bei uns wird niemand allein gelassen! Die Altenpflege ist ein sehr vielfältiger Beruf mit guten Entwicklungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen in unserem Haus. Man kann vom Praktikanten über FSJler zum Wohnbereichsleiter oder gar über ein Studium zum Betriebsleiter aufsteigen. Die Pflege ist ein dankbarer Beruf, was vielen die Genugtuung gibt, den richtigen Job gewählt zu haben. Es ist auch ein Teamjob. Jede Fachkraft ist bei jeder Sache Ansprechpartner. Außerdem bieten wir vielfältige Maßnahmen im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements wie Massagen oder Zumba.

Interview: Radosveta Strumenlieva

Mehr Infos über Julia Behrends Arbeitgeber findest du hier.

Willst du auch dort arbeiten? Hier gehts zum Stellenangebot.

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