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"Ein Freiwilligendienst ist ein guter Einstieg ins Berufsleben"

Manuel arbeitet als Freiwilliger in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Der Freiwilligendienst hat dem 17-Jährigen dabei geholfen, einen Berufswunsch zu entwickeln.

 

Name: Manuel Dittmer
Alter: 17
Ausbildung: Bundesfreiwilligendienst
Ausbildungsstätte: Lichtenberger Werkstätten, Berlin



Was ist deine Motivation, einen Freiwilligendienst zu machen?

Ein Freiwilligendienst ist eine gute Möglichkeit, die Zeit vor der Ausbildung sinnvoll zu überbrücken und sich beruflich zu orientieren. Mein Plan war ursprünglich, eine Ausbildung zum Gebäudereiniger zu machen, da mir der mittlere Schulabschluss fehlt. Zu der Zeit hatte ich nicht so viele  berufliche Optionen und Perspektiven. Aber während des Freiwilligendiensts habe ich gemerkt, dass ich viel lieber Grafikdesigner werden möchte und mir das durch meine neuen Erfahrungen auch zutraue. Ich arbeite bei den Lichtenberger Werkstätten in der Bürodienstleistung und kümmere mich gemeinsam mit meiner Chefin um die grafische Gestaltung von zum Beispiel Flyern und Visitenkarten. Das macht mir total viel Spaß.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Mein Arbeitstag beginnt um halb acht. Ich bin verantwortlich für alle Tätigkeiten am Empfang, zum Beispiel Telefonanrufe annehmen, Besucher empfangen und Termine koordinieren. Dazu kommt die grafische Arbeit, wir erstellen Grafiken, bearbeiten Fotos und gestalten Flyer. Nicht alles davon ist für interne Publikationen, wir bekommen auch externe Aufträge.

Daneben betreue ich zwei Rollstuhlfahrer, die ebenfalls in der Bürodienstleistung arbeiten. Einer von den beiden kann nicht so gut sehen, deshalb korrigiere ich seine Texte und helfe ihm beim Design für die Essenspläne.

Warum sollten Schulabgänger/innen einen Freiwilligendienst machen?

Ein Freiwilligendienst ist ganz anders als Schule und deshalb ein guter Einstieg ins Berufsleben. Mir hat der Dienst geholfen, mich beruflich umzuorientieren. Ich finde auch, dass man selbstbewusster wird, weil man Tätigkeiten ausprobiert und viel Neues lernt. Für mich war es zum Beispiel neu, so viele Telefongespräche zu führen.

Das Besondere an einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung ist, dass Jugendliche lernen, empathischer zu sein. Viele benutzen das Wort Behinderung als Beleidigung. Sie kennen weder den genauen Hintergrund, noch wissen sie, wie das Wort entstanden ist. Wer einen Freiwilligendienst gemacht hat, ändert vielleicht seine Einstellung und hilft auch mal einer fremden Person, die gerade Unterstützung braucht.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Ich bin mit 17 ja noch ziemlich jung, aber ich habe schon konkrete Ideen. Ich möchte entweder im August eine Ausbildung zum Grafikdesigner anfangen oder den mittleren Schulabschluss nachholen, Abitur machen und Sozialpädagogik studieren. Eigentlich habe ich jetzt schon die perfekte Stelle gefunden, denn hier kann ich meine beiden Interessen verbinden: Grafikdesign und soziale Arbeit.

Was ist dir anfangs schwergefallen? 

Anfangs fand ich es stressig, wenn ich sehr viele Telefonate, Aufträge und Aufgaben gleichzeitig bearbeiten musste. Da musste ich mich reinfuchsen. Jetzt ist das kein Problem mehr.

Was ist dir anfangs leichtgefallen?

Alles, was mit dem Computer zu tun hat, fiel mir leicht. Ich arbeite auch zu Hause mit Grafikprogrammen wie Photoshop und InDesign, weil es ein großes Hobby von mir ist. Visitenkarten gestalten konnte ich auch schon vor meinem Freiwilligendienst. Gleichzeitig habe ich total viel Neues gelernt. Auch der Umgang mit Menschen mit Behinderung war nichts Neues für mich, weil es in meiner Familie und in meinem Umfeld auch Personen mit psychischer Beeinträchtigung gibt und ich viel Empathie für hilfsbedürftige Menschen habe. 

Ist der Freiwilligendienst so, wie du ihn dir vorgestellt hast?

Eigentlich gar nicht, ich bin positiv überrascht. Ich war davon ausgegangen, dass ich den ganzen Tag am Empfang sitzen würde. Ich hätte nicht gedacht, dass ich meine Hobbys Grafikdesign und Fotografie einbringen könnte. Und ich hatte keine Ahnung, dass ich zwei Menschen im Rollstuhl unterstützen würde, die sich total freuen, dass ich da bin.

Wie findest du die Balance zwischen Beruf und Freizeit?

Das klappt gut. Ich arbeite jeden Tag bis 16 Uhr. Abends und am Wochenende habe ich frei und kann etwas mit Freunden unternehmen. Manchmal bin ich so müde, dass ich nach der Arbeit gleich ins Bett falle, aber das kommt nicht so häufig vor. Ganz generell gefällt mir der Freiwilligendienst besser als Schule. Mir macht der Dienst sehr viel Spaß. Auf dem Nachhauseweg bin ich immer motiviert und glücklich, noch eine lange Zeit hier zu sein und meinen Dienst vielleicht sogar zu verlängern.

Interview: Birke Carolin Resch

Mehr Infos über Manuels Arbeitgeber findest du hier.

Willst du auch dort arbeiten? Hier gehts zum Stellenangebot.

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