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Heilerziehungspfleger/in |

"Die Ausbildung ist sehr relevant"

Heilerziehungspflege verbindet wichtige Bereiche und wird im Zuge der Inklusion immer wichtiger, glaubt Manuela. Die 47-Jährige macht ihre Ausbildung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung.

Name: Manuela Witte
Alter: 47
Ausbildung: Heilerziehungspflegerin, 3. Ausbildungsjahr 
Ausbildungsstätte: Lichtenberger Werkstätten, Berlin
Berufsfachschule: Fachschule für Heilerziehungspflege der Hoffbauer Stiftung, Potsdam

Wie bist du zu den Lichtenberger Werkstätten gekommen?

Ich arbeite seit 2009 im Beschäftigungs- und Förderbereich bei den Lichtenberger Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Davor habe ich in der Gastronomie und in einer Metallfabrik gearbeitet. Ich habe für einige Zeit meinen eigenen gastronomischen Betrieb geleitet, musste mein Unternehmen aber aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben. Eine Bekannte wies mich im Jahr 2008 dann auf eine freie Stelle bei den Lichterberger Werkstätten hin. Das fand ich sehr interessant und habe mich beworben.

Wie war es für dich, als Quereinsteiger in einen völlig neuen Bereich zu wechseln?

Anfangs hatte ich große Berührungsängste und Respekt vor den Herausforderungen. Menschen mit Behinderung begegnet man im Alltag nicht so häufig. Die gemischten Gefühle sind aber schnell verflogen und die Arbeit hat mir von Anfang an viel Spaß gemacht. Um besser ausgebildet zu sein und andere Aufgaben übernehmen zu können, habe ich mich vor knapp drei Jahren entschieden, eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin zu machen. Auch davor hatte ich anfangs Respekt.

Wie sieht dein Ausbildungsalltag aus?

Die Ausbildung mache ich berufsbegleitend. Montags und dienstags gehe ich zur Berufsschule, an den anderen Tagen arbeite ich im Förderbereich. Dort begleiten wir Menschen mit leichten bis schweren und mehrfachen Behinderungen, die im Arbeitsbereich überfordert wären. Es geht nicht darum, sie auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, sondern Fähigkeiten und Fertigkeiten zu fördern und zu erhalten. Um das zu gewährleisten haben wir interne und externe Therapeuten, die zum Beispiel Musiktherapie, Sport, Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie anbieten. Darüber hinaus veranstalten wir Feste und Aktivitäten. Wir singen, basteln, kochen, backen Plätzchen oder feiern Weihnachten. Ich finde es sehr schön, mit den Menschen sowohl das Alltagsleben als auch die Feste zu teilen. Die Atmosphäre bei uns ist sehr herzlich, die Menschen freuen sich und sind dankbar. 

Was ist dir anfangs schwergefallen?

Die ersten zwei Jahre der Ausbildung fand ich sehr schön und interessant. Im dritten Jahr merke ich, dass die Ausbildung anstrengend für mich wird. Beruf, Ausbildung und Familie unter einen Hut zu bringen ist nicht immer einfach. Da die Ausbildung zeitintensiv ist, muss ich auch am Wochenende lernen. Und natürlich kommt langsam Prüfungsangst auf.

Was ist dir leicht gefallen?

Ich mochte von Anfang an den Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung und konnte schnell einen guten Draht zu ihnen finden. Der soziale Bereich war mir nicht völlig fremd, weil ich in der Gastronomie auch mit Menschen zu tun hatte – manchmal auch mit Menschen mit Behinderung. Menschen mit Beeinträchtigung gehen auch ins Restaurant.

Warum sollen Schulabgänger/innen sich für den Beruf der/des Heilerziehungspfleger/in entscheiden?

Der Beruf des Heilerziehungspflegers wird leider etwas stiefmütterlich behandelt. Erziehern stehen nach der Ausbildung mehr Einsatzgebiete zur Verfügung als Heilerziehungspflegern. Das finde ich schade, denn die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger verbindet drei sehr wichtige Bereiche: Pflege, Pädagogik und Krankheitsbilder. Die Krankheitsbilder sind nicht Teil des Lehrplans für Erzieher, werden aber gerade im Zuge der Inklusion in vielen Bereichen immer wichtiger. Ein Beispiel: Die Tochter meiner Nachbarin hat Epilepsie. Sie geht in eine normale Schule, aber die Lehrer haben Angst, weil sie keine Erfahrung mit dem Krankheitsbild der Epilepsie haben. Hier könnten Heilerziehungspfleger unterstützen. Die Ausbildung ist also sehr relevant und ich hoffe, dass Heilerziehungspfleger in Zukunft mehr Möglichkeiten und Einsatzgebiete haben werden.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Ich hoffe, dass ich in zehn Jahren noch Heilerziehungspflegerin sein kann. Der Job ist zwar körperlich anstrengend, denn viele Menschen sind schwerbehindert und müssen gehoben werden. Die gute Arbeitsatmosphäre und der herzliche Umgang mit den Menschen überwiegen aber. Ich möchte den Job gerne bis zur Rente machen.

Interview: Birke Carolin Resch

Mehr Infos über Manuelas Arbeitgeber findest du hier.

Willst du auch dort arbeiten? Hier gehts zum Stellenangebot.

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