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"Bewerberinnen und Bewerber brauchen eine forschende Grundhaltung"

In einer Kita gehe es nicht darum, Kindern viel beizubringen, sagt Carolin Szesny, Schulleiterin der Eventus Fachschule für Sozialpädagogik. Viel wichtiger ist es ihr zufolge, Kinder auf ihrem Weg zu begleiten und gemeinsam mit ihnen zu lernen.

Name: Carolin Szesny
Alter: 54
Ausbildung: Diplom-Rehabilitationspädagogin
Arbeitgeber: Eventus Bildung, Berlin
Position: Schulleiterin der Eventus Fachschule für Sozialpädagogik, Berlin


Was raten Sie jungen Menschen, die sich für den Beruf interessieren?

Eine Ausbildung zur Erzieherin qualifiziert nicht nur für die Arbeit in einer Kita. Interessenten rate ich deshalb, sich nicht von Anfang an auf kleine Kinder zu fixieren, sondern sich über alle möglichen Berufsfelder zu informieren. Dazu gehört die Behindertenhilfe genauso wie die offene Arbeit mit Jugendlichen oder die Tagespflege. Praktika helfen, einen Einblick in den Arbeitsalltag der verschiedenen Bereichezu bekommen.

Welche Eigenschaften müssen zukünftige Erzieher/innen mitbringen?

Das wichtigste Handwerkszeug für diesen Beruf ist die individuelle Persönlichkeit. Unbedingt notwendig ist ein hohes Verantwortungsbewusstsein: Man muss bereit sein, in jeder Minute des Arbeitstages ein Vorbild zu sein, denn Kinder und Jugendliche bekommen einfach alles mit. Kompetenzen wie Empathie, Reflexionsfähigkeit oder Wertebewusstsein werden immer wichtiger. Angehende Fachkräfte müssen in der Lage sein, das Gelernte in einer zunehmend komplexer werdenden Welt flexibel und situationsabhängig anzuwenden. Sie stehen täglich vor neuen Herausforderungen und müssen Lösungen im Spannungsfeld der Interessen und Wünsche der Kinder, der Gruppe, der Eltern und der Kollegen immer wieder neu aushandeln. Die Eventus Fachschule für Sozialpädagogik will Erzieher und Erzieherinnen auf diese neuen Anforderungen vorbereiten und legt deshalb großen Wert auf die Vermittlung von interkulturellen, interreligiösen, friedenspädagogischen und demokratieförderlichen Kompetenzen.

Worauf legen Sie bei Bewerbungen wert?

Uns ist es wichtig, dass Bewerberinnen authentisch sind. Wenn sich eine Kandidatin wenig Mühe bei der Begründung ihres Berufswunsches gibt, merkt man das beim Lesen sofort. Wer sich bewerben will, sollte sich also vor dem Schreiben mit dem Profil auf unserer Webseite vertraut machen. Wir nehmen auch sehr gerne Azubis, die selbst einen Migrationshintergrund oder eine Behinderung haben, oder in anderer Weise benachteiligt sind. Wir wollen mit unserer Ausbildung angehende Erzieherinnen ansprechen, die über den Tellerrand schauen wollen und die sich der gesellschaftlichenBedeutung der Kindererziehung bewusst sind.

Womit können Kandidat/innen im Bewerbungsgespräch bei Ihnen punkten?

Wir suchen nach Bewerberinnen und Bewerber, die neugierig und offen sind. Wenn eine Kandidatin im Gespräch sagt, sie wolle Erzieherin werden, um Kindern etwas beizubringen, werde ich skeptisch. Natürlich sollte man Kindern auch etwas beibringen. Aber es ist wichtiger, sie auf ihrem Weg zu begleiten, gemeinsam mit ihnen zu lernen und ihnen Fragen zu stellen, die ihnen Lust auf das Entdecken und Forschen machen. Dazu brauchen Bewerberinnen und Bewerber Neugier und eine forschende Grundhaltung.

Was sind für Sie die Ausschlusskriterien?

Personen, die sich nicht deutlich von Gewalt abgrenzen oder die demokratischen Grundwerte in Frage stellen, sind in sozialpädagogischen Berufsfeldern fehl am Platz. Deutschkenntnisse sind wichtig, aber wir wollen möglichst vielen Bewerberinnen und Bewerbern eine Chance geben. Ab nächstem Jahr werden wir deshalb in Kooperation mit einer Einrichtung Nachhilfeunterricht für Azubis anbieten.

Warum sollen sich Schulabgänger/innen für eine Ausbildung bei Ihnen entscheiden?

Unser Profil legt Schwerpunkte auf Friedenserziehung, Demokratieförderung sowie interkulturelle und interreligiöse Kompetenzen. Das ist in Berlin einzigartig. Wir haben außerdem eine Kooperation mit dem ‚House of One‘ in Berlin gestartet, einem weltweit einmaligen Projekt. Das House of One ist ein Lehr- und Bethaus, das Juden, Muslime und Christen gemeinsam konzipiert und gebaut haben. In Zusammenarbeit mit dem pädagogischen Arbeitskreis dieser Institution haben wir unseren Lehrplan sowie eine Fortbildung entwickelt, die Azubis ab nächstem Jahr absolvieren können.
Außerdem bieten wir gute Rahmenbedingungen. Azubis haben bei uns nur einenTag Unterricht statt wie in anderen Einrichtungen zwei Tage. Die fehlenden Tage holen wir im Block nach. Das liegt auch im Interesse der Praxiseinrichtungen, die froh sind, wenn die Azubis vier Tage in der Woche da sein können. Wir haben außerdem keinen Abendunterricht und halten die Wochenenden weitestgehend frei. Das kommt vor allem den Auszubildenden zu Gute, die eine Familie haben.

Interview: Birke Carolin Resch

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